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Angesichts hoher Erwartungen der Verbraucher an Produktqualität und verfügbarkeit sowie immer kürzer werdender Lieferzeiten gewinnt eine automatisierte Intralogistik zunehmend an Bedeutung. Moderne Lager- und Materialflusskonzepte müssen in der Lage sein, die immer flexibleren Produktionssysteme zur Herstellung auch kleiner Losgrößen durch innovative Automationslösungen zu unterstützen.

Dabei gilt: Je höher der Grad der Vernetzung aller Komponenten, desto effizienter und kostengünstiger können die Kunden beliefert werden. ProMessa BV, niederländischer Hersteller von SB-Fleischprodukten, hat diesen Trend erkannt und gemeinsam mit der CSB-Automation AG seine interne Logistik automatisiert. Mit Hilfe der neuen Logistiklösung kann das Unternehmen die Erwartungen des Lebensmitteleinzelhandels jetzt noch besser erfüllen und so seine Wettbewerbsposition stärken:

Ein großer Wettbewerbsvorteil in einem Land, in dem die klassische Bedientheke mehr und mehr an Bedeutung verliert: Der überwiegende Teil der verkauften Fleischprodukte in den Niederlanden sind verpackte SB-Produkte aus dem Lebensmitteleinzelhandel.

Leistung fast verdoppelt

Inzwischen läuft fast der gesamte Materialfluss bei ProMessa automatisiert ab – von der Verpackung der Fleischprodukte am Produktionsausgang über die Lagerung und Kommissionierung bis zur Verladung auf den LKW. Wo früher Waren und Kisten manuell von A nach B transportiert wurden, arbeiten heute modernste Robotertechnik, Fördertechnikkomponenten, Sorteranlagen und eine Softwarelösung von CSB-System perfekt zusammen.

Wie bei allen anderen Intralogistiksystemen ist die Software auch bei ProMessa der Schlüssel: Als Steuerungssystem organisiert und überwacht sie zwei automatische Kistenlager, Robotereinheiten, vier automatische Wiegeetikettierlinien mit integrierten Sortern, ein automatisches Versandlager sowie ein Fördersystem. Die integrierte Produktionsplanung sorgt für die zeit- und mengengenaue Koordination der Arbeitsabläufe. Alle wichtigen Details, wie z.B. aktuelle Auftrags-, Produktions- und Bestandsdaten, werden in Echtzeit erfasst und verarbeitet. Dieser hohe Vernetzungsgrad zwischen Geschäftsabläufen und Logistikkomponenten sichert schnelle und fehlerfreie Prozesse und eine enorme Produktivität.

Wir haben unseren Output fast verdoppelt – auf manchmal über 100.000 Packungen pro Tag. Zu Weihnachten 2015 haben wir sogar rund 150.000 Packungen geschafft.

Harold Rouweler, Geschäftsführer

Erhöht hat sich übrigens auch der Umsatz von ProMessa, der mittlerweile bei über 70 Mio. Euro liegt. "Dieses Wachstum wäre ohne das neue Logistiksystem in der bestehenden Gebäudestruktur und ohne eine wesentliche Personalaufstockung nicht möglich gewesen”, so Rouweler.

Der automatisierte Warenfluss nimmt an einem zentralen I-Punkt direkt am Produktionsausgang seinen Lauf. Mit Barcodes versehen, werden die artikelrein gefüllten Gebinde dem logistischen System übergeben und softwaregesteuert zu einem der beiden Lager transportiert. Kleinmengenartikel lagern in einem klassischen Einzelstellplatz-Hochregallager mit einer Kapazität von 7.000 Stellplätzen. Schnell drehende Produkte, von denen in kurzer Zeit große Mengen umgeschlagen werden, gehen ins Fast-Mover-Lager. Bei diesem Flächenportal-Roboter-Lager handelt es sich um eine Lagertechnik, die in der Lebensmittelindustrie relativ neu ist. Eine Besonderheit ist die Art der Lagerung, denn die Gebinde werden nicht in Regalen deponiert, sondern direkt auf den hygienisch gestalteten Lagerboden gestapelt. Seine Leistungsfähigkeit erreicht das Flächenportal dadurch, dass bei der Ein- und Auslagerung je nach Bedarf bis zu sieben Gebinde gleichzeitig bewegt werden können. Das FiFo-Prinzip (First in - First out) wird dabei dadurch gewährleistet, dass das Lager durch Umstapeln der Kunststoffgebinde permanent reorganisiert wird. Auch dieser Prozess erfolgt vollautomatisch durch das CSB-System.

Aus den Lagern fahren die Kisten dann – bei entsprechendem Signal durch die ERP-Software – automatisch eine Etage höher zu den vier Preisauszeichnungslinien mit angeschlossenen Ware-zum-Mann-Kommissioniersortern. Über die Software werden Auftragsdaten, Produkte und Gebinde optimal zusammengestellt, den Kommissionierstrecken zugeführt und preisausgezeichnet. Berücksichtigt und berechnet werden dabei neben Stückzahlen und Volumina auch die Anzahl der benötigten Behälter, die erforderlichen Materialflüsse und die optimalen Förderstrecken für die touren- und filialgerechte Beladung der LKWs.

An CSB-Racks wird den Mitarbeitern klar visualisiert, welcher Auftrag gerade bearbeitet wird, welche Produkte in welcher Stückzahl zum Auftrag gehören und welches Etikett angebracht werden muss. In der Sortieranlage werden sie schließlich automatisch an den Kunden Schächten ausgestoßen und in die Gebinde verteilt. Fertig kommissionierte Kisten gelangen dann über die Fördertechnik ins Versandlager, wo sie von einem Flächenportalroboter zu kundenbezogenen Kistenstapeln zusammengestellt werden.

Entkoppelung von Produktion und Kommissionierung

Das gesamte Intralogistiksystem basiert auf dem Prinzip der Entkoppelung von Prozessschritten. Bei der Konzeption lautete das Ziel, in allen Kernprozessen von der Produktion bis zum Versand unabhängig von vor- und nachgelagerten Prozessschritten arbeiten zu können und so eine permanent hohe Produktivität und Flexibilität zu erzielen.

Ein wesentlicher Erfolgsbaustein ist das leistungsfähige Versandlager. Es ermöglicht eine optimale Kommissionierung von Kundenaufträgen, die in Form von Kistenstapeln im Tagesverlauf zusammengestellt werden. Das CSB-System erzeugt aus den vorliegenden Kundenaufträgen je nach Warenverfügbarkeit einzelne Subaufträge. So kann die Produktion trotz hoher Artikelvielfalt losgrößenoptimiert und gleichzeitig unabhängig von den Kommissionier- und Versandprozessen arbeiten. Erst wenn die erforderliche Warenmenge in den beiden Pufferlagern eingelagert wurde, wird die Kommissionierung eines Artikels gestartet. Die vier Preisauszeichnungslinien mit Mehrrollendrucker sowie die vier angeschlossenen Sorteranlagen sind im Zusammenspiel mit den vorgelagerten Lager- und Materialflusssystemen in der Lage, je nach Auftragsstruktur stündlich zwischen 5.000 und 7.500 Packungen zu Mischgebinden zusammenzuführen.

Reaktionsfähigkeit hoch, Lagerbestände runter

Digitalisierte und vernetzte Material- und Informationsflüsse bringen viele Vorteile mit sich, etwa um der wachsenden Bedeutung des Faktors Zeit gerecht zu werden. ProMessa kann heute noch schneller auf Nachbestellungen reagieren, ohne einen großen Lagerbestand aufbauen zu müssen. Aufträge können während des ganzen Tages ins ERP-System übernommen werden und werden meist innerhalb von zwölf Stunden oder noch am selben Tag ausgeliefert.

„Früher hatten wir einen deutlich höheren Anteil an Pufferware, die wir vorrätig lagern mussten. Dank der Schnelligkeit unseres logistischen Systems puffern wir mittlerweile nur noch vorverpackte und nicht etikettierte Ware für einen Tag”, sagt Rouweler. Damit ist eine tägliche Belieferung der Kunden auch bei einem sehr kurzen Bestellvorlauf realisierbar – die Lieferperformance liegt bei über 99 Prozent.